Archiv des Autors: Jan Veninga M.A.

Über Jan Veninga M.A.

Ich bin gelernter Jurist, Sozialpädagoge und Religionswissenschaftler sowie Systemisch-Integrativer Coach (DFC) und zertifizierter Trainer für Stressbewältigung & psychologische Gesundheitsförderung (GKM Institut). Meine Expertise zu den Themen Work-Life-Balance, Burnout-Prävention, Stressbewältigung und Resilienz beruht auf einer jahrelangen fachlichen und praktischen Auseinandersetzung hiermit - und natürlich auch auf den Erfahrungen meines eigenen Privat- und Berufslebens. Ich mag den Austausch zu diesen Themen in meinen Coachings, Seminaren & Vorträgen - weil für mich jeder Mensch auf seine Weise ein Gesundheitsexperte ist.

Work-Life-Balance als dynamischer, lebenslanger menschlicher Prozess

Work-Life-Balance ist ein dynamischer, lebenslanger menschlicher Prozess; das menschliche Gleichgewicht erfordert ein ständiges Nachjustieren der verschiedenen Lebensbereiche. Gerade deswegen ist die Entwicklung von entsprechenden Kompetenzen ein wichtiges Lernziel unserer Coachings und Seminare. Die eigene Work-Life-Balance sollte sich möglichst nicht nur auf die jeweilige Lebensphase, sondern auf das gesamte Leben beziehen. Dazu kann es sinnvoll sein, eine Art Lebensvision und -konzept zu entwickeln, wobei es langfristig gesehen ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Lebensbereichen gibt. Der Experte für Selbst- und Zeitmanagement Lothar Seiwert dazu: ‚Ihre Vision, Ihr Traum, Ihr persönliches Leitbild wird Ihrem Leben einen Sinn verleihen, wird Ihr alltägliches Tun ganz auf die Erfüllung dieses Traums ausrichten und konzentrieren. Vision, Motivation, Inspiration – sie alle entspringen einer gemeinsamen Quelle und bedingen einander‘ (Prof.Dr. Lothar Seiwert in: ‚Lifetime – Management: Mehr Lebensqualität durch Work-Life-Balance‘).
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Work-Life-Balance erfordert immer auch eine persönliche Lebensvision als Leitbild für private und berufliche Entscheidungen

Auch die bewusste Entscheidung für und gegen bestimmte private und berufliche Aufgaben, Rollen und Ziele ist eine Voraussetzung für eine gelungene, nachhaltige Lebensbalance. Im englischsprachigen Artikel ‚Balance is Bunk‚ wird dies folgendermaßen auf den Punkt gebracht: ‚Instead of trying to balance all of our commitments and passions at any one time, let’s acknowledge that anything important, and anything done well, demands our full investment. At times, it may be a demanding child and the office may suffer. At other times, it may be meeting a big deadline and the family will have to fend for themselves. Only over time can we really balance our whole portfolio of diverse experiences‘. Und schließlich sollte man auch akzeptieren, dass Krisen und Unwegbarkeiten zu jeder Biografie dazugehören und das Leben letztendlich (zum Glück;-) nicht planbar ist. Es braucht also immer auch eine gewisse Offenheit für die spontanen Bewegungen des Lebens.

Meilensteine meines Lebens – meine Ressourcen im Alltag

Selbstwirksamkeit – das Vertrauen in die eigenen Stärken – ist eine wesentliche Voraussetzung zur Förderung der persönlichen psychischen Gesundheit. Menschen können dieses Gefühl der Selbstkompetenz u.a. entwickeln, indem sie ihren Lebensweg bewusst im Hinblick auf ihre Ressourcen reflektieren. Hierfür gibt es zahlreiche Übungen aus der Biografiearbeit. Solche biografischen Übungen können auch die Akzeptanz der Veränderlichkeit des Lebens an sich – als wichtige sogenannte Change-Kompetenz – stärken. In der Gestalttherapie gibt es verschiedene Varianten der Arbeit mit der Lebenslinie, die dort ‚Panoramatechnik‘ genannt wird. Auch der Fokus auf einen bestimmten Bereich wie das Arbeitsleben ist damit möglich. Das Arbeitspanorama nach Hilarion Petzold ermöglicht Menschen zum Beispiel, den eigenen Werdegang als arbeitender Mensch in all seinen Facetten näher zu betrachten. Wechselwirkungen mit der eigenen Sozialisation oder den aktuellen – zum Beispiel familiären – Lebensbezügen, aber auch mögliche neue Wege im Arbeitsleben können so sichtbar werden.
Eine nähere Betrachtung ihres bisherigen Lebenswegs gibt Menschen auch eine klarere Sicht auf was sie gesund erhält

Eine nähere Betrachtung ihres bisherigen Lebenswegs gibt Menschen auch eine klarere Sicht auf was sie gesund erhält

Verschiedene Aspekte von Arbeit wie Sinnerfüllung, soziale Einbindung, Motivation, Fachkompetenz, Belastung oder gefühlte materielle/immaterielle Wertschätzung können in diese Betrachtung einbezogen werden. Im Hinblick auf die Ressourcenanalyse können personale, soziale, materielle und professionelle Ressourcen unterschieden werden. ‚Um die Ressourcenvalenz einzuschätzen, muss bei jeder der aufgeführten Basiskategorien die Ressource je nach Kontext und nach seinen Bedingungen ausdifferenziert und konkret benannt werden‘ (Doris Ostermann in ‚Gesundheitscoaching‚). Hubert Klingenberger beschreibt in seinem Buch zur Biografie-Arbeit ‚Lebensmutig‚ ebenfalls verschiedene Übungen zur Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen des eigenen Lebens. Ein solcher Rückblick kann mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zugehörigen Fragen verbunden werden: Was ist der rote Faden in meinem Leben? Welche Meilensteine gab es in meinen verschiedenen Lebensbereichen? In meinen Coachings und Seminaren zum Thema Work-Life-Balance und Resilienz findet die Beschäftigung mit der eigenen Lebenslinie bewusst mit dem ressourcenorientierten Schwerpunkt der Erfolge, Stärken und Kraftquellen statt. Mögliche damit einhergehende Fragen sind: Was habe ich bisher in meinem Leben erreicht und welche Stärken habe ich dabei bewiesen? Was sind meine persönlichen Kraftquellen?

Sinn & Werte: Was Menschen im Tiefsten trägt und bewegt

Ein Aspekt unserer Coachings und Seminare ist es, einen eigenen Werterahmen für die persönliche Balance zwischen Privat- und Berufsleben zu entwickeln. Viele Menschen lassen sich dabei immer noch gerne von den Werten weltanschaulicher Lehren – religiöser, humanistischer oder politischer Art – inspirieren.
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Unsere Werte geben uns Orientierung im Leben

Wir leben aber in einer Zeit und Gesellschaft, in der Werte weniger als früher von Institutionen vorgegeben werden. Umso wichtiger sind eigene Kompetenzen beim Abstecken der persönlichen, inneren Werte-Koordinaten. Der Unternehmensberater Pater Hermann-Josef Zoche dazu: ‚Das bewusste Leben mit den eigenen Wertvorstellungen ermöglicht Orientierung im Dickicht der Selbstverwirklichungsangebote unserer Zeit. Man lernt Prioritäten zu setzen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, verschiedene Angebote abzuwägen und zu beurteilen, was einem selbst wichtig ist und worin inhaltlich der nächste Schritt, den man gehen will, besteht‘ (Zoche 2002). Auch der Dalai Lama betrachtet das Leben und Arbeiten im Einklang mit den eigenen Werten als wesentlichen Baustein von Work-Life-Balance. In ‚Glücksregeln für den Alltag; Happiness at Work‘ sagt er: ‚Wenn Sie sich bewusst machen, dass alle Aspekte Ihres Lebens miteinander verbunden sind, dann werden Sie verstehen, wie unterschiedliche Faktoren – Ihre Werte, Ihre innere Einstellung, Ihre emotionale Verfassung – zu Ihrem Gefühl für Erfüllung in der Arbeit und zu Ihrer Zufriedenheit und Ihrem Glück im Leben beitragen können‘ (Dalai Lama 2004:208). Manchmal konfliktieren unterschiedliche Werte oder ganze Wertsysteme, zum Beispiel im Zusammenhang von Privat- und Berufsleben. Unwohlbefinden, mangelnde Wirk-Life-Balance und Stress sind dann fast zwangsläufig die Folgen. In Coachings, aber auch in Seminaren zur Stressbewältigung kann es hilfreich sein, solchen Konflikten auf die Spur zu kommen. Es gibt eine Fülle an Übungen und Coaching-Tools, mit denen Menschen sich ein Bild ihrer eigenen Werte (bzw. Überzeugungen oder Glaubenssätze) machen und – wichtiger noch – damit arbeiten können. Beispiele sind das Modell der Logischen Ebenen nach Robert Dilts oder das Werte-Entwicklungs-Quadrat nach Schulz von Thun. Wenn Menschen ein für sie stimmiges Wertesystem für alle Lebensbereiche entwickeln, werden sie eher eine innere Kongruenz empfinden, mit sich im Reinen sein, wie Björn Migge in seinem ‚Handbuch Coaching und Beratung‘ schreibt (Migge 2005:150). Sie werden eine Orientierung haben für ihre Positionierung bei wichtigen Lebensentscheidungen oder auch im Alltag. Bezogen auf das Berufsleben könnte man, wie der Benediktinerpater Anselm Grün es formuliert hat, sagen: ‚Wer zutiefst authentisch arbeitet, der bringt reiche Frucht‘.

Menschliche Zuwendung und Wertschätzung als gesundheits- und wirtschaftsfördernde Kraft

Soziale Unterstützung ist eine der wichtigsten Gesundheitsressourcen überhaupt, wie aus vielen Untersuchungen der letzten Jahre hervorgeht. Der Forscher Joachim Bauer beschreibt zum Beispiel in seinem Buch ‘Prinzip Menschlichkeit’, anhand neuer neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, dass Zuwendung und Wertschätzung wichtige menschliche Motivationsquellen sind. Die Kraft einer von Wertschätzung geprägten Haltung wirkt aber nicht nur auf der persönlich-menschlichen, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene. Das ist was der Benediktiner-Pater, Bestseller-Autor und Keynote-Speaker Anselm Grün in seinen Büchern und Vorträgen immer wieder vermittelt. Dabei schöpft er u.a. aus seiner jahrelangen Erfahrung als Führungskraft in der Abtei Münsterschwarzach, wo er für die wirtschaftliche Leitung der Abtei mit ihren insgesamt 20 Betrieben verantwortlich war. In einem Vortrag auf den Petersberger Trainertagen 2012 schildert Grün, wie er sich selbst vor allem von christlichen Werten wie Glaube, Liebe und Hoffnung sowie den platonischen Werten Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und das rechte Maß inspirieren läßt. Es sind solche Werte, die laut Grün Produktivität und Innovationskraft begünstigen und damit förderlich sind für nachhaltige persönliche und wirtschaftliche Entwicklung (siehe auch meinen Blogartikel ‚Berufliches Sinnerleben, Arbeitsengagement und Flow‘). Wichtig ist dabei weniger, aus welcher Tradition die Werte stammen, sondern vielmehr, ob diese auch authentisch sind. Persönliche oder unternehmerische Werte wirken nur, wenn sie von innen heraus kommen. Menschen und Unternehmen sollten sich daher immer wieder fragen, was sie im Alltag und darüber hinaus trägt und bewegt. Grün ermutigt gerade Menschen in der Wirtschaft, sich gegenseitig wertzuschätzen und Maß zu halten, auch im Umgang mit sich selbst. Sich selbst zu achten und gut zu sich zu sein, ist schließlich eine Voraussetzung für die Achtung, Wertschätzung und gute Behandlung anderer. Besonders Führungskräfte sind durch ihre Arbeit (mit)verantwortlich für das Wohlergehen vieler anderer Menschen: nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Kunden oder Geschäftspartner. Umso wichtiger ist es, dass sie einen menschlich wie wirtschaftlich nachhaltigen Werterahmen entwickeln und diese Werte auch praktisch umsetzen und (vor)leben.

Soziale Unterstützung als Gesundheitsfaktor: wie gesunde soziale Netzwerke Menschen und Organisationen stärken

Soziale Unterstützung gilt als einer der wichtigsten Faktoren in der Burnoutprävention und ist ein wesentlicher Baustein einer gesunden Work-Life-Balance, wie viele Studien in den letzten Jahren nachgewiesen haben. Laut Wikipedia ist soziale Unterstützung ‚eine Ressource, mit der durch die Beziehung zu anderen Personen zentrale psychosoziale Bedürfnisse wie Zuneigung, Anerkennung, Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit sowie instrumentelle Bedürfnisse wie Informationsbedarf, praktischer und materieller Hilfebedarf befriedigt werden‘. Beispiele solcher Ressourcen sind das persönliche Netzwerk von Freunden, Verwandten und Kollegen oder die Beziehung zum Partner. Das Prinzip der sozialen Unterstützung spielt auch in der salutogenetischen Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle und basiert, so der Kölner Psychologe Prof. Dr. Jörg Fengler, auf der Nutzung von Personen und Kräften, die in der Umgebung eines Menschen mit dafür verantwortlich sind, dass er sein Leben bei guter seelischer Gesundheit führen kann (Fengler 1991:2000). Der Sozialpsychologe und Burnout-Experte Elliot Aronson beschreibt es so, dass der Mensch durch soziale Unterstützung ‚eine Botschaft empfängt, die ihm das Gefühl verleiht, daß er beachtet und geliebt, geschätzt und für einen wertvollen Menschen gehalten wird und daß er an einem Netzwerk von Kommunikation und gegenseitiger Verpflichtung teilhat‘ (Aronson et al. 1983:144).
(Bild: DAK)

(Bild: DAK)

Der Gesundheitspsychologe Prof.Dr. Gert Kaluza unterscheidet in seinem Standardwerk ‚Stressbewältigung‚ folgende Arten der Sozialen Unterstützung. Dabei erfüllen die verschiedenen Quellen sozialer Unterstützung wie Partner, Freunde, Kollegen oder Nachbarn oft auch unterschiedliche Unterstützungsfunktionen:
  • Informationelle Unterstützung: Hilfe bei der Lösung von Problemen, das Teilen hilfreicher Informationen oder persönliches Feedback
  • Instrumentelle Unterstützung: Praktische Hilfen im Alltag durch die Erledigung praktischer Aufgaben oder das Teilen materieller Ressourcen
  • Emotionale Unterstützung: Gemeinsames Erleben von positiven Gefühlen oder auch das Teilen von schwierigen Gefühlen, gegenseitige Stärkung, Ermutigung oder Zuneigung
  • Geistige Unterstützung: Das Teilen von gewissen Lebensvorstellungen, Werten und Normen, wie in einer religiösen oder politischen Gemeinschaft oder einer Gesellschaftsgruppe.
Der Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer erklärt die Wirkung sozialer Unterstützung in ‚Prinzip Menschlichkeit‚ damit, dass menschliches Handeln nach neueren neurowissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem durch das Streben nach Zuwendung und Wertschätzung motiviert ist. Nicht Kampf, sondern vielmehr Kooperation ist demnach angesagt beim ‚Überleben‘ in der heutigen Arbeitsgesellschaft. Die damit einhergehenden Werte und Verhaltensweisen sind nicht nur gut für die individuelle menschliche Gesundheit, so der Benediktiner-Pater Anselm Grün, sie fördern auch die Produktivität und Innovationskraft in Organisationen und begünstigen damit eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Es lohnt sich also an gesunden sozialen Netzwerken zu arbeiten, nicht nur aus individueller Sicht, sondern auch aus der Perspektive der betrieblichen Gesundheitsförderung. Denn Organisationen mit einem gesunden sozialen Klima gelten gemeinhin als erfolgreicher, schon alleine deshalb, weil Menschen dort einfach gerne arbeiten und eher Sinn in ihrer Arbeit empfinden. In unseren Coachings und Seminaren zum Thema Work-Life-Balance, Stressbewältigung und Resilienz wird u.a. versucht, ein Bewusstsein für die gesundheitliche Ressource der sozialen Unterstützung zu schaffen und dazu animiert, möglichst aktiv ein auf die eigenen Werte, Lebens- und Arbeitsbedingungen abgestimmtes soziales Unterstützungssystem zu entwickeln.  Dabei können zum Beispiel folgende Fragen gestellt werden: Was sind die Stärken meines sozialen Netzes? Was bedeuten mir meine Freunde und Verwandte, mein Partner, meine Kinder, meine Kollegen, auch in Bezug auf meine Gesundheit? Wie kann ich mein privates und berufliches Netzwerk pflegen und stärken? Welche Strategien könnte ich entwickeln, um private und berufliche Lebensbereiche besser miteinander zu vereinbaren?