Archiv der Kategorie: Alle Blogartikel zu den Themen Work-Life-Balance, Burnout-Prävention, Stressbewältigung und Resilienz

Sinn & Gesundheit: 4 Säulen eines bedeutsamen, sinnvollen Lebens

Die iranisch-kanadische Psychologin Emily Esfahani Smith unterscheidet in Ihrem Buch ‚The Power of Meaning‘ die Suche nach dem Sinn ausdrücklich von der Glückssuche. In gewisser Weise sind diese beiden Kategorien widersprüchlich, sagt sie, weil je mehr Menschen nur angenehme Gefühle oder akute Bedürfnisbefriedigung nachstreben und schmerzhafte Erfahrungen vermeiden, desto weniger Vertiefung, Bedeutung und Gemeinsinn sie in ihrem Leben erfahren werden. Aus kanadisch-amerikanischen Studien gehe hervor, dass Menschen vor allem dann langfristig positive Emotionen spüren, wenn sie ihr Leben nicht nur auf Glückserfüllung, sondern vor allem auch auf Sinnerfüllung ausrichten, auch wenn dies anfänglich schwieriger sei.

Sie veranschaulicht diese These anhand einer Frage des Philosophen Robert Nozick an seine Studenten: Wie wäre es für Sie, wenn sie ihr ganzes Leben in einer künstlichen Blase leben könnten, in der über Elektroden beliebige Glücksgefühle simuliert würden? Die meisten antworteten, sie empfänden ein solches Leben als ziemlich leer. Laut Nozick ist der Grund für dieses Gefühl, dass eine eigene Identität, eigene Projekte und Ziele fehlen. Ein solches oberflächlich glückliches Leben wäre wertlos und ohne Bedeutung, weil Bezüge nach außen fehlen.

Esfahani Smith stellt in ihrem Buch ein Modell vor, nachdem es 4 Säulen eines bedeutsamen, sinnvollen Lebens gibt:

Verbundenheit: Aus vielen Studien geht hervor, dass die Beziehungen zu unseren Mitmenschen der wichtigste Sinnfaktor sind. Im Beruf ist es daher gut, Kohäsion und Zugehörigkeit unter Kollegen zu kultivieren, als Ausdruck einer gesunden Arbeitskultur. Auf der Ebene des Managements wäre die Herausforderung, bewusst eine sinnorientierte Team- und Unternehmenskultur zu fördern.

Einen Beitrag leisten: Bezogen auf die Arbeit kann es hilfreich sein, sich den eigenen Beitrag für eine bessere Welt mehr bewusst zu machen. Ein Informatiker entwickelt zum Beispiel Software-Lösungen, die anderen Menschen das Leben leichter machen, eine Reinigungskraft sorgt dafür, dass Menschen sich in ihrer sauberen, aufgeräumten Umgebung wohl fühlen. Es gilt also, einen sinnorientierten Blickwinkel auf das eigene Tun innerhalb und außerhalb des Berufs zu kultivieren.

Kohärenz: Indem wir die Geschehen und Zusammenhänge und rote Fäden unseres Lebens versuchen zu deuten und miteinander zu verbinden, entsteht die Erzählung unserer eigenen Lebensgeschichte. Durch diese bewusste oder unbewusste Biographiearbeit bildet sich, was der Psychologe Dan McAdams unsere narrative Identität nennt. Im Sinne einer stimmigen Work-Life-Balance wäre es gut, wenn wir unsere Identität nicht nur mit unserem beruflichen Tun und Erfolg verbinden, sondern auch private Anteile unseres Lebens hierin einbeziehen.

Transzendenz: Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, etwas, das unseren eigenen Alltag übersteigt. Dieses Gefühl muss nicht unbedingt religiöser Art sein, sondern es kann auch in der Natur entstehen, zum Beispiel bei der Betrachtung des nächtlichen Sternenhimmels. In der Arbeitswelt kann diese Gefühl durch eine Verbundenheit zu Kollegen entstehen (horizontale Transzendenz) oder auch durch das Verfolgen von übergeordneten Unternehmenszielen wie Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung (vertikale Transzendenz).

Seminar ‚Work-Life-Balance & Burnout-Prävention für Menschen in Bewegung‘

Impuls-Vortrag / Mini-Workshop ‚Work-Life-Balance & Burnout-Prävention‘

Impuls-Vortrag/Mini-Workshop ‚Resilienz: Gelassen und stark im Alltag‘

Sinn im Vollzug: 4 Merkmale einer Psychologie des Lebenssinns

In dem Interviewartikel  ‚Auf der Suche nach dem Sinn‚ in der Zeitschrift ‚Psychologie Heute‘ skizziert die Sinnforscherin Tatjana Schnell einige Inhalte ihres Buchs Psychologie des Lebenssinns, u.a. anhand von 4 wesentlich sinngebenden Merkmalen:

  • Bedeutsamkeit: Die Art und Weise unseres Handelns soll demnach für uns selbst, aber vor allem auch für andere bedeutungsvoll sein, eine gewisse Wichtigkeit haben.
  • Richtung & Orientierung: Unsere Sinnorientierung ist wie ein Kompass, der uns die richtigen Wege unseres Lebens zeigt.
  • Zugehörigkeit: Der Mensch ist ein soziales Wesen, das zu einem größeren Ganzen gehören möchte.
  • Stimmigkeit: Ist mein gelebtes Leben im Einklang mit meinen Lebenszielen und meinen Werten?

Im Gegensatz zum Glück geht es bei der Sinnerfüllung laut Tatjana Schnell weniger um das aktuelle Wohlbefinden, sondern vielmehr um das persönlich Richtige und Wertvolle. Dafür einzustehen, sei zwar nicht immer einfach und angenehm, aber gesundheitlich nachhaltiger, zum Beispiel indem man Ressourcen wie persönliche Stärken oder tragende Beziehungen entwickelt.

Schnell zieht dabei eine Parallele zum eudämonischen Glückskonzept nach Aristoteles, in dem es darum geht, richtig zu leben und zu handeln, nicht nur für sich, sondern auch für die Gemeinschaft. Gut zu leben heißt dabei auch, Potenziale, Talente und Stärken zu entwickeln.

Wirkliche Sinnorientierung geht dabei über bloße abstrakte Werte hinaus. Lebensbedeutungen sind laut Schnell ‚Sinn-im-Vollzug‘ und entstehen erst, wenn Werte auch real gelebt werden.

Seminar ‚Work-Life-Balance & Burnout-Prävention für Menschen in Bewegung‘

Impuls-Vortrag / Mini-Workshop ‚Work-Life-Balance & Burnout-Prävention‘

Impuls-Vortrag/Mini-Workshop ‚Resilienz: Gelassen und stark im Alltag‘

Resilienz – Gelassen und stark im Fluss des Lebens (2)

Optimismus: Hoffnung & Vertrauen auf einen positiven Ausgang

Gemeint ist kein unrealistischer Zweckoptimismus, sondern vielmehr ein funktionaler Optimismus. Diese wird gekennzeichnet durch eine realistische positive Erwartung und das Vertrauen auf eigene Fähigkeiten zur Einflussnahme. Ein Impuls aus der positiven Psychologie ist in diesem Zusammenhang die Frage: Was stärkt mich und meine Lebensqualität? Der seelischen Gesundheit dienlich dabei ist es, möglichst positive Emotionen zu kultivieren und positive Ziele zu formulieren.

Verantwortung: Meine Gesundheit ist mein Projekt

Verantwortung heißt in Bezug auf Resilienz das Bewusstsein, dass meine Gesundheit primär mein eigenes Projekt ist. Dafür ist eine kritische Analyse der jeweiligen Krise oder Belastung erforderlich. Manchmal ist es wichtig, nicht nur äußere Bedingungen und Andere für die jeweilige Situation verantwortlich zu machen, sondern auch eigene Anteile zu erkennen. Es kann zum Beispiel bei einem Burnout hilfreich sein, sich zu fragen, ob man nicht zu oft die eigene innere Stimme überhört hat. Manchmal sind innere Antreiber oder Glaubenssätze wie ‘Sei beliebt’, ‘Sei stark’ oder ‘Sei Perfekt’ so stark, dass Menschen ihr eigentliches Bauchgefühl öfter mal verdrängen, dabei ihre Grenzen verletzen und deshalb auf Dauer ausbrennen. Natürlich gibt es viele Krisensituationen für die Menschen selbst nichts können. Sogar dann ist es aber wichtig, letztendlich selbst Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

Resilienz ist eine Fähigkeit, die sich entwickeln kann, wenn wir die Wege unseres Lebens mit gewissen Einstellungen und Sichtweisen gehen

Selbstwirksamkeit: Vertrauen auf eigene Stärken in guten und schweren Zeiten

Selbstwirksamkeit heißt in Bezug auf Resilienz, auf eigene Stärken zur Bewältigung von Krisen und Veränderungen zu vertrauen. Damit einher geht, wie beim Resilienz-Faktor Optimismus, ein Grundvertrauen in sich und das Leben zu kultivieren. Selbstwirksamkeit ist die Aktion die folgt auf eine akzeptierende, optimistische und selbstverantwortliche Grundhaltung. Hilfreich dabei kann auch die Auseinandersetzung mit dem salutogenetischen Gesundheitskonzept nach Aaron Antonovsky sein.

Lösungsorientierung: Fokus auf Wünsche, Ziele und Ressourcen

Eine lösungsorientierte Haltung heißt, den Blickwinkel von Problemen und Defiziten auf einen möglichen Idealzustand zu verlegen. Dazu kann es hilfreich sein, Wunschbilder und Visionen zu entwicklen und auch persönliche Lebensmotive zu klären. Lösungsorientierung heißt, Chancen wahrzunehmen und sich aktiv und kreativ auf eine Lösung hin zu bewegen, im Bewusstsein, dass kleine Schritte zu großen Veränderungen führen können.

Netzwerkorientierung: Gesundheitsfaktor Mensch & Mitmenschkeit.

Netzwerkorientierung bedeutet psychologisch betrachtet, soziale Beziehungen als Ressourcen problem- und emotionsregulierender Bewältigung zu sehen. Ganz konkret heißt dies, dass Menschen in ihren jeweiligen Gemeinschaften das Gefühl bekommen können, beachtet, geliebt und angenommen zu werden. In schweren Zeiten sind es oft nahe Mitmenschen, die einen eben durch ihre Nähe auffangen und trösten. Auch religiöse oder und/oder dörfliche Gemeinschaften hatten seit jeher auch die Funktion, ihre Mitglieder in schweren Zeiten aufzufangen und zu unterstützen.

Sinnorientierung: Bedeutung im Leben suchen und spüren

De Begriff ‚Sense of Meaningfulness‘ im salutogenetischen Gesundheitskonzept bedeutet, dass das Leben einen emotionalen Sinn hat.  Persönliche Sinnorientierung erfordert eine ständige Auseinandersetzung mit den eigenen Werten, Zielen und Zukunftsvorstellungen. Krisen und Probleme können salutogenetisch betrachtet als Herausforderungen verstanden werden, deren Bewältigung selbst sinnhaftig ist. Voraussetzung für gelungene persönliche Sinnfindung ist, einen inneren Kompass zu haben, gut auf sich hören und zu den eigenen Werten zu stehen.

Menschen haben nach dem Gründer der Logotherapie und Existenzanalyse Viktor Frankl einen freien Willen und suchen in ihrem Leben nach Ausdrucksmöglichkeiten in sich und der Welt. Die Suche nach Sinn ist nach Frankl eine Grundmotivation des Menschen. Frankl benennt folgende Wege zur Sinnesfüllung:

  • Schöpferische Werte, indem wir etwas vollbringen und Werke schaffen
  • Erlebniswerte, zum Beispiel in emotional bedeutsamen Begegnungen mit anderen Menschen und in der Natur
  • Einstellungswerte, indem wir eine gewisse Leidensfähigkeit und innere Reife entwicklen durch Akzeptanz und positive Bewältigung von Krisen

Letztendlich ist das persönliche Sinnempfinden aber nach Frankl situations- und personengebunden, also subjektiv und im Laufe des Lebens veränderlich.

Fazit diese Blogartikels: Resilienz ist ein Potential das sich ins uns entwickeln kann, wenn wir die Wege unseres Lebens mit gewissen Einstellungen und Sichtweisen gehen. Resilienz ist auch eine Kompetenz, die sich schärft an den Ecken und Kanten unseres Lebens. Und Resilienz ist eine gesunde Lebenshaltung, die Menschen gelassen und stark macht im Fluss ihres Lebens.

Impuls-Vortrag/Mini-Workshop ‚Resilienz: Gelassen und stark im Alltag‘

Seminar ‚Resilienz & psychologische Gesundheitsförderung‘

Resilienz – Gelassen und stark im Fluss des Lebens (1)

Resilienz ist die Fähigkeit, widrige Lebensbedingungen oder Krisen zu bewältigen und adäquat mit Belastungen und Veränderungen umzugehen. In diesem Blogartikel möchte ich das Zusammenspiel von Eigenschaften beleuchten, die förderlich sind für persönliche Resilienz: Akzeptanz, Optimismus, Verantwortung, Selbstwirksamkeit, Lösungsorientierung,, Netzwerkorientierung und Sinnorientierung. Diese Eigenschaften sind einzeln wirksam, bilden aber auch einen Komplex von schützenden Faktoren, die sich gegenseitig verstärken und aufeinander einwirken. Resilienz ist eine Form der Gesundheitskompetenz, die uns ermöglicht, unser Leben so zu leben, wie es kommt.

7 Aspekte von Resilienz

Was Resilienz konkret ist, zeigt sich besonders beeindruckend in den Lebensgeschichten mancher Menschen. Ein Beispiel ist der Wiener Psychologe und Begründer der Logotherapie Viktor Frankl. Für Frankl war die Art des Umgangs mit und die Bewältigung von Krisen und Leiderfahrungen selbst ein Lebenssinn. In seinem Werk ‚Ärztliche Seelsorge‘ schreibt er: „Das Leiden, die Not gehört zum Leben dazu, wie das Schicksal und der Tod. Sie alle lassen sich vom Leben nicht abtrennen, ohne dessen Sinn nachgerade zu zerstören. Not und Tod, das Schicksal und das Leiden vom Leben abzulösen, hieße dem Leben die Gestalt, die Form nehmen. Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt.“

Manchmal sind auch nahe Mitmenschen in unserem eigenen Leben gute Beispiele einer resilienten Lebensführung. Und auf unserem eigenen Lebensweg finden wir ebenfalls Beispiele, wie wir selbst gut mit Krisen und belastenden Erfahrungen umgegangen sind. Resilienz ist keine erlernte Technik, sondern ein Potential das jedem Lebewesen innewohnt. Es ist sogar ein wesentliches Lebensprinzip, Krisen und Veränderungen zü bewältigen und sich neu im Leben ein- und aufzustellen. Wenn man sich die Entstehung und Werdegang von Leben in all seinen verschiedenen Daseinsformen betrachtet, wird einem bewusst, wie das ganze Universum von diesem Prinzip durchdrungen ist. Im Folgenden möchte ich nun die einzelnen Resilienz-Faktoren in den Fokus nehmen.

Akzeptanz: Annehmen, wie die Dinge sind und wie das Leben sich entfaltet

Akzeptanz ist eine Haltung, sich nicht gegen Veränderungen und Krisen zu wehren, sondern diese als Chance zu empfinden, was gut in dem griechischen Wort Kairos zum Ausdruck kommt. Dazu ist es wichtig, erstmal die leidvolle Erfahrung bewusst und achtsam wahrzunehmen. Akzeptanz entsteht nicht immer leicht und von alleine, sondern manchmal erst nach einem langen Verarbeitungsprozess. Am Ende dieses Prozesses sind Menschen sozusagen in der Lage, ‚Let it be‘ oder ‚Dein Wille Geschehe‘ zu sagen. Akzeptanz heißt hier nach Aristoteles, dass wir den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen können.

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Impuls-Vortrag/Mini-Workshop ‚Resilienz: Gelassen und stark im Alltag‘

Seminar ‚Resilienz & psychologische Gesundheitsförderung‘

Arbeit & Gesundheit: Impulse aus der jüdisch-christlichen Tradition (2) – Mit Verbindlichkeit (aber in Freiheit) arbeiten an der werdenden Erde

Anselm Grün fasst die Beziehungsseite unserer Arbeit anhand von Genesis 12, 2 so auf, dass Menschen füreinander zum Segen sein sollten: ‚Wir sind in diese Welt gesandt, um einen Auftrag zu erfüllen. Der ursprüngliche Auftrag, den Gott Adam und Eva gab, lautete: ‚Seid fruchtbar!‘ (Gen 1,28). Das meint nicht nur, dass sie Kinder bekommen sollen, sondern auch, dass ihr Leben Frucht bringt für die Erde und für die Menschheit‘. Es ist aber, so Grün, nicht nur unser Tun, unsere Leistung und unser Nutzen, die uns zum Segen für andere werden lassen. Manchmal ist es einfach unsere Art zu arbeiten, die der Arbeit unabhängig von inhaltlicher Befriedigung oder Ergebnissen einen Sinn gibt (Grün 2005 II:156). Eine achtsame, wertschätzende und freundliche Kommunikationskultur in Teams und Organisationen gibt Menschen ein Gefühl der Kohärenz und macht unseren Arbeitsalltag tatsächlich nachweislich nicht nur effektiver und erfolgreicher, sondern auch sinnhafter, wie aus folgendem Blogartikel hervorgeht.

Arbeit ist immer auch Beziehungsarbeit (Bild: Wikimedia Commons

Arbeit ist immer auch Beziehungsarbeit – hier in einer Co-Working Space in Berlin (Bild: Wikimedia Commons

Dorothee Sölle: Arbeit in Resonanz mit sich, mit anderen und mit der Schöpfung Die evangelische Theologin Dorothee Sölle unterscheidet im 1983 erschienenen Band ‚Mitarbeiter der Schöpfung; Bibel und Arbeitswelt‘ drei Dimensionen von Arbeit, die eine Art von Resonanz andeuten, wie auch der Neurobiologe Joachim Bauer sie beschreibt:

  • 
Arbeit als Selbstausdruck des Menschen: Der Mensch ist demnach ein schöpferisches Wesen, das sich selbst durch seine Arbeit zu erkennen gibt: ‚Das kann natürlich nur dort gelingen, wo möglichst alle unsere Fähigkeiten und Kräfte am schöpferischen Prozess beteiligt sind, wo wir uns also selber lernend entwickeln…‘.
  • Arbeit als soziale Beziehung: Sölle betrachtet Arbeit, ähnlich wie Anselm Grün, auch als die Art und Weise, wie die Menschen miteinander verbunden sind und Gemeinschaft schaffen. Durch unsere Arbeit bekommen wir das Gefühl, gebraucht zu werden, was ’nach den primären Bedürfnissen, die auf Nahrung, Unterkunft, Wärme und Sexualität gehen, ein zentrales menschliches Bedürfnis‘ ist (siehe auch Maslowsche Bedürfnispyramide).
  • Arbeit als Versöhnung mit der Natur und Fortsetzung der Schöpfung Gottes, nicht ihre Unterwerfung: ‚Alle produktive, an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Arbeit hat diesen Charakter der Versöhnung zwischen Mensch und Natur, der weitergehenden Schöpfung einer noch nicht zu Ende gekommenen Erde. Der Arbeiter ist in diesem Zusammenhang verstanden als eine Art Haushälter Gottes, dem die Erde, die Tiere, die Mineralien und Bodenschätze, die Pflanzen und anderen Lebewesen anvertraut sind‘ (Sölle 1983).

Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei – Der Zug durch das rote Meer – Nicolas Poussin

Befreiung von Existenzängsten und überzogenen beruflichen (Selbst-)ansprüchen Die ebenfalls evangelische Theologin Luise Schrottroff schildert in ihrem 1983 erschienenen Aufsatz ‚Das geschundene Volk und die Arbeit in der Ernte Gottes nach dem Matthäusevangelium‘ eine Auslegungstradition, die versucht, das Neue Testament im Sinne einer christlichen Arbeitslehre auszuwerten. Dabei ist vor allem Matthäus 6,25-34 (‚Sorge Dich nicht‘) eine wichtige Inspirationsquelle (Schrottroff 1983). Der Text könnte meines Erachtens als Einladung verstanden werden, den Lebensbereich der Arbeit nicht zu viel Raum zu geben und nicht sorgenvoll, sondern eher vertrauensvoll anzugehen. Existenzängste sind in der heutigen Arbeitsgesellschaft durchaus verständlich, dennoch können sie Menschen manchmal auch lähmen. In einem Coaching oder Seminar könnte hier die Besinnung auf wirklich wichtige persönliche Werte hilfreich sein. Bei der Entwicklung eines gesunden persönlichen Wertesystems können Werte aus der christlichen (oder einer anderen religiösen oder humanistischen Tradition) Menschen gerade in Krisensituationen inspirieren. Erzählungen über menschliche Erfahrungen von Leid und Hoffnung – auch im Lebensbereich der Arbeit – ziehen sich wie ein roter Faden durch die Bücher des Alten und Neuen Testaments. Im Alten Testament und in der jüdischen Tradition besonders bedeutsam ist es die Erfahrung eines versklavten, leidenden Volkes das auf eine bessere Zukunft hofft. Und im Matthäusevangelium im Neuen Testament befinden sich die arbeitenden Menschen überwiegend in abhängigen Verhältnissen, zum Beispiel als Sklaven, Tagelöhner oder Pächter. Es sind diese leidvollen Erfahrungen, die in der christlichen Tradition häufig dazu inspirieren, an einer gerechteren, besseren (Arbeits-)welt zu arbeiten, wie zum Beispiel in der Befreiungstheologie, deren Vertreterinnen Dorothee Sölle und Luise Schrottroff beide waren. Übersetzt in die heutige Arbeitswelt könnten solche befreiungstheologischen Ansätze berufstätigen Menschen helfen, sich von manchen überzogenen beruflichen Ansprüchen zu befreien.   http://inspirance.de/seminar-work-life-balance-burnout-praevention/ http://inspirance.de/vortrag-workshop-work-life-balance-burnout-praevention/